Hebräische Fragmente und Handschriften in österreichischen Bibliotheken

Dass hebräische Fragmente als Deckblätter und Einbandverstärkungen von christlichen Büchern dienten, zeugt von Verfolgung, Vertreibung und Beraubung der jüdischen Gemeinden des Mittelalters. Juden würden nämlich, dies ist ein Unterschied zu den christlichen Gepflogenheiten, ihre beschädigten religiösen Schriften beerdigen oder in einer „Genisa“, einem verborgenen Raum meist in einer Synagoge, ehrfurchtsvoll aufbewahren. Die Geschichte der hebräischen Fragmente ist also ein Teil der Existenz und Zerstörung der mittelalterlichen Gemeinden Österreichs und ihres Geisteslebens.

Ziel des Projekts ist die Erfassung, Digitalisierung, wissenschaftliche Beschreibung und Identifizierung sämtlicher hebräischen Fragmente an österreichischen Bibliotheken und Archiven. In Zusammenarbeit mit der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters der Österreichischen Akademie der Wissenschaften werden alle Informationen sukzessive auf einer |Website| der Kommission zugänglich gemacht.

Im Dezember 2008 gründete sich das gesamteuropäische Netzwerk |Books within Books. Hebrew Fragments in European Libraries|, koordiniert von Prof. Dr. Judith Olszowy-Schlanger (Ecole Pratique des Hautes Etudes, Paris).

Leitung und weitere Information |mail: PD Dr. Martha Keil|

Wir danken der Rothschild Foundation und dem Land Tirol für die Unterstützung des Projekts!

Publizierte Ergebnisse

Martha Keil, Gelehrsamkeit und Zerstörung. Hebräische Fragmente in österreichischen Handschriften und Frühdrucken. In: Hanns Peter Neuheuser, Wolfgang Schmitz (Hg.), Fragment und Makulatur. Überlieferungsstörungen und Forschungsbedarf bei Kulturgut in Archiven und Bibliotheken (Buchwissenschaftliche Beiträge, Bd. 91) Wiesbaden 2015, 209-222.

Martha Keil, Fragments as Objects: Medieval Austrian Fragments in the Jewish Museum Vienna. In: Andreas Lehnhardt, Judith Olzsowy-Schlanger (Ed.), Books within Books – New Discoveries in Old Book Bindings. Studies in Jewish History and Culture 42, European Genizah: Texts and Studies 2. Leiden-Boston 2013, p. 311–326.

Fragmenta Hebraica Austriaca. Akten der Session „Hebrew Manuscripts and Fragments in Austrian Libraries“ des International Meeting der Society of Biblical Literature in Wien, am 26. Juli 2007. Hrsg. von Christine Glassner und Josef M. Oesch (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte 783). Wien 2009. Das Buch kann |hier| bestellt werden

Inhalt:
Einleitung (S. 5–8)
Verzeichnis der Abkürzungen und Siglen (S. 9)
Josef M. Oesch, Alois Haidinger: Genizat Austria. Zwischenbericht zum
Projekt „Hebräische Handschriften und Fragmente in österreichischen Bibliotheken“ (S. 11–31)
Almut Laufer: Überlegungen zu Relevanz und Zielsetzung des Projekts „Hebräische Handschriften und Fragmente in österreichischen Bibliotheken“ aus judaistischer Sicht (S. 33–48)
Yoav Rosenthal: A New Fragment of Megillat Ta'anit (S. 49–59)
Franz D. Hubmann, Werner Urbanz: Beobachtungen und offene Fragen zu einigen Besonderheiten der Torarollenfragmente (S. 61–88)
Register der zitierten Handschriften und Fragmente (S. 89–90)
Namenregister (S. 91–93)
Verzeichnis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (S. 95)

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Fragment einer Esterrolle (Ester 5,14–8,2), Grundbuch der Herrschaft Eisentürhof 1534–1547, NÖ-Landesarchiv, Varia 12, Fotodokumentation 6c (Foto: Peter Zehetmayer)