Jüdische Erfahrungen und Lebenswelten sind seit jeher von Mobilität geprägt. Dabei denkt man häufig an Verfolgung und erzwungene Migration. Doch auch ganz andere Faktoren haben Jüdinnen und Juden zum Reisen veranlasst, die im Fokus der diesjährigen Sommeruniversität stehen. Ökonomisch waren sie in vielen Regionen vor allem auf Handelsberufe festgelegt, und so war „Reisender” durchaus ein eigenes Berufsbild, ob als Hausierer oder Kaufleute. Das prägte soziale Erfahrungen genauso wie die Notwendigkeit, Ehepartnerinnen und Ehepartner außerhalb der eigenen lokalen Gemeinde zu finden und damit familiäre Strukturen auch auf große Distanzen aufrecht zu erhalten. Die Kommunikation über religiöse Traditionen und die stetige Neubegründung jüdischen Wissens erforderte permanenten Austausch und damit eine rabbinische Reisetätigkeit zwischen den Zentren jüdischen Lebens, in Europa und darüber hinaus. Die so entstandenen Netzwerke jüdischen Geisteslebens expandierten auch durch Forscherdrang und wissenschaftliche Neugier. Bis schließlich auch die nostalgische Suche nach vergangener „Heimischkeit” und Pilgerreisen zu den Stätten legendärer Wunderrabbiner ganz neue Formen eines jüdischen Tourismus erzeugten.
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