Neuerscheinungen

Theresienstadt 1944–45. Das Tagebuch des St. Pöltner Stadtbaumeisters Rudolf Tintner

Schriftenreihe des Instituts für jüdische Geschichte Österreichs, Bd. 3. 264 Seiten, 36,90 €, ISBN 978-3-7065-6904-0, |www.studienverlag.at
von Benjamin Grilj

Am 10. März 1944 wurde der St. Pöltner Stadtbaumeister Rudolf Tintner mit vier kleinen Koffern und einem Mantel vom Wiener Nordbahnhof nach Theresienstadt
deportiert. Er war einer von 84 Häftlingen dieses Sondertransports. Nur einer dieser Deportierten überlebte letztlich Theresienstadt. Rudolf Tintner, in Theresienstadt Leiter der Bautenabteilung, begann am 12. April 1944 Tagebuch zu führen. Seine Aufzeichnungen endeten am 9. Jänner 1945, einen Tag vor seinem Tod.

Benjamin Grilj kontextualisiert das knappe und informative Tagebuch auf dreifache Weise: nach Tintners Alltag, nach den Ereignissen in Theresienstadt und nach dem Verlauf des Krieges und der Vernichtungspolitik des NS-Regimes. Eine ausführliche Familienbiographie, ein Personenregister und QR-Codes zu einer vertiefenden Web-Plattform erschließen diese wertvolle Quelle zusätzlich.

 

NS-„Euthanasie“ in der Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling

Forschungsergebnisse und biografische Skizzen. Hg. von Martha Keil und Philipp Mettauer. St. Pölten 2026. 188 S.

Die 1902 gegründete Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling bei Amstetten, heute Landesklinikum Mauer, war die drittgrößte Klinik Österreichs, die an der NS-„Euthanasie“ von psychiatrischen Patientinnen und Patienten beteiligt war. Insgesamt wurden im Rahmen der „Aktion T4“, durch anstaltsinterne Morde und nach
der Verlegung in andere Anstalten 2.848 Menschen zu Tode gebracht. Die Beiträge dieser Publikation vermitteln den aktuellen Forschungsstand, der sich erstmals auf die statistische Auswertung der Standesprotokollbücher stützen kann. Durch Einbeziehung von Angehörigen und Citizen Scientists wird auch das Schicksal
einiger Opfer nähergebracht. Als dauerhafte Einrichtung der niederösterreichischen Landesausstellung 2026 am Anstaltsgelände sind die Ergebnisse Grundlage für einen Vermittlungs- und Lernort sowie für ein Mahnmal mit den Namen aller Opfer.

 

Geraubte Heiligkeit – Judaica aus Niederösterreich

Hg. von Martha Keil im Auftrag der Niederösterreichischen Museum Betriebs GmbH in Kooperation mit dem Institut für jüdische Geschichte Österreichs. Ausstellungsbroschüre zur Wechselausstellung in der Ehemalige Synagoge St. Pölten, 15. April – 15. November 2026. In Zusammenarbeit mit dem
Jüdischen Museum Wien. St. Pölten 2026. 84 S.

Von den hunderten in der NS-Zeit aus den Synagogen Niederösterreichs verschwundenen Ritualgegenständen sind nur mehr etwa 30 nachweisbar – sieben davon zeigt die Ausstellung „Geraubte Heiligkeit“ von April bis November 2026 in der Ehemaligen Synagoge St. Pölten. Listen und vor den Novemberpogromen 1938 aufgenommene Fotos beweisen die Fülle und Vielfalt an Torarollen, Toraschmuck und Textilien vor der Zerstörung, Beraubung und Vertreibung ihrer Gemeinden. Objekte und aktuelle Aufnahmen bezeugen Rettung, Sammlung und Bewahrung. Zur Freude aller Beteiligten führten die Recherchen der Herausgeberin zur Restitution eines Toraschilds aus Bad Erlach an die rechtmäßigen Erben in London.