Gleich dem kleinen Häuflein der Makkabäer ..." Die jüdische Gemeinde in Simmering von 1848 bis 1945
Autor: Herbert Exenberger
Hrsg. von Eleonore Lappin in der Reihe Jüdische Gemeinden
Mandelbaum-Verlag, Wien 2009
Vergeblich sucht man bei dem ersten Chronisten Simmerings, Ernst Carl Gatter, der im Jahre 1883 sein Buch „Denkwürdigkeiten der Gemeinde Simering in Niederösterreich“ präsentierte, nach Informationen über die damals schon größere jüdische Gemeinde dieses Orts. Immerhin waren, um hier zwei Beispiele anzuführen, 1863 der erste jüdische Bethausverein –die Israelitischen Betgenossenschaft – gegründet und 1875 eine jüdische Religionsschule eingerichtet worden.
Vor mehr als zwanzig Jahren begann Herbert Exenberger im Rahmen des Bezirksmuseums Simmering über die jüdische Bevölkerung zu recherchieren, bekam jedoch immer wieder die Frage zu hören: „Gab es denn überhaupt Juden in Simmering?“ Die meisten dieser Personen vermuteten Juden in Simmering nur auf den jüdischen Abteilungen des 1. und 4. Tores des Wiener Zentralfriedhofes. Andere wieder waren überzeugt, dass alle Juden reich wie Rothschild wären.
Der Wunsch, solchen Fragen und Meinungen entgegenzutreten, bestimmte zunächst die Nachforschungen. Denn nur ganz wenige jüdische Familien Simmerings gehörten zum Großbürgertum, welche das Klischee der zerstörten jüdischen Gemeinde Wiens bestimmen, sie waren aber auch keine strenggläubigen Chassidim, sondern meist kleine Händler, Handwerker, Arbeiter und Gewerbetreibende.
Enthalten sind Informationen über die jüdischen Vereine in Simmering, über die Bedeutung der Synagoge in der Braunhubergasse für das religiöse, geistige und kulturelle Leben der jüdischen Gemeinde, über die Auswirkungen und den Leidensweg der Simmeringer jüdischen Männer, Frauen und Kinder während der nazistischen Gewaltherrschaft bis hin zu symbolischen „Gedenktafeln“ für die Simmeringer Opfer der Shoah.
Thematisiert wird selbstverständlich auch die bedrückende soziale Situation vieler Simmeringer Juden, etwa in den Abschnitten „Hausierer – Kleinhändler –Tödler“ oder über die „Jüdischen Familien im Barackenlager Hasenleiten“.
Das Buch versteht sich als „Erinnerungszeichen“ an die Simmeringer jüdische Gemeinde, vergleichbar auch mit den jüdischen Memor-Büchern, die Wissen über zerstörte jüdische Gemeinden bewahren. Den erwähnten Simmeringer Jüdinnen und Juden soll ihre Identität wiedergegeben und ihre Namen der Vergessenheit entrissen werden
Nachruf Herbert Exenberger
Herbert Exenberger ist am 8. Oktober in Wien seinem schweren Krebsleiden erlegen. Wer je in Wien auf dem Gebiet der Literatur der Verfolgten und Vertriebenen sich kundig machen wollte, musste auf Herbert Exenberger selbst und seine vielen wichtigen Studien und Dokumentationen stoßen. Er hat unsere Arbeit über viele Jahre begleitet, mit seiner Freundlichkeit und Heiterkeit, mit ungezählten Hinweisen und Anregungen, Auskünften und
Korrekturen. In einer Stadt, in der sich Menschen oft bei sich selbst rühmen, einander schon jahrzehntelang nicht zu kennen, betätigte er sich oft genug als einer, der Menschen zusammenbrachte, die gleiche Bestrebungen verfolgten, ein Menschenverbinder, kein Menschentrenner. Und "Exi", wie ihn alle liebevoll nannten, hat auch demonstriert, dass
man die konsequente Auseinandersetzung mit Faschismus und Nationalsozialismus und deren Folgen sehr wohl mit einer prallen Lebensfreude verbinden kann. Gearbeitet hat er allerdings sehr, sehr viel.
Aus dem Nachruf der Theodor Kramer-Gesellschaft
