Die Niederösterreichische Regierung und die Juden in Wien (1740-1792)

NOeLA, Hofresolutionen, 1762, Fasz. Dezember, Nr. 26 (K. 87) Ber...
Copyright NÖLA

Handlungsspielräume und Strategien zwischen Norm und Verwaltungspraxis

Mag. Elisabeth Loinig (NÖLA)
Betreuerin: PD Dr. Martha Keil

Das Dissertationsprojekt untersucht die rechtliche Stellung von Juden und Jüdinnen in Wien mit besonderem Schwerpunkt auf die Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen in der Zeit von Maria Theresia bis zum Regierungsantritt von Franz II. (I). Im Mittelpunkt steht dabei die Tätigkeit der Niederösterreichischen Regierung, die als zuständige landesfürstliche Behörde auch mit den Agenden der Judenpolitik befasst war. Für die Juden in Wien war sie demnach die erste Instanz, an die Ansuchen zu richten waren.

Quellengrundlage sind die im NÖLA vorhandenen Geschäftsbücher und Akten der NÖ Regierung, die erst ab 1740 in nennenswertem Umfang erhalten und kaum ediert sind. Diese
Akten erlauben nicht nur eine Darstellung der Verfahrensweise und -dauer in „Judensachen“, sondern mithilfe der enthaltenen Ansuchen der Parteien, Gutachten der Beamten und „allerhöchsten Entschließungen“ auch die Analyse der Handlungsspielräume, der Argumentationsmuster und der Entscheidungsfindung. Diesbezüglich sind die Beantwortungen von Ansuchen armer oder verarmten Juden um Zahlungsaufschub, Steuerminderung oder Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung besonders aussagekräftig.

Im ersten Teil der Arbeit stehen die obrigkeitlichen Judenverordnungen im
Vordergrund, die zum Teil aus politisch-fiskalischen Notwendigkeiten und mentalen
Grundhaltungen der Zeit heraus erlassen wurden (z.B. Kriegsfinanzierung,
Wirtschaftsförderung, Utilitarismus und Aufklärung; Judenfeindlichkeit). Der zweite Teil bietet eine Analyse der involvierten Personengruppen, also der Beamten und der jüdischen Antragsteller/innen.

Untersucht werden ferner die Auswirkungen der Judenpolitik, die eine soziale Spaltung der Wiener Juden in Tolerierte und Nicht-Tolerierte in prekären Verhältnissen schuf. Geprüft wird weiters, wie jüdische Frauen, die aktiv bei der NÖ Regierung vorstellig wurden,
für ihre Anliegen eintraten, und ob Unterschiede zu männlichen Antragstellern in der
Argumentation ihrer Ansuchen oder bei den getroffenen Entscheidungen feststellbar sind.

Informationen: Mag. Elisabeth Loinig (NÖLA)

NOeLA, HS 43/9, NOe Regierung, Index ueber Hofresolutionen 1773-1775
Copyrigth: NÖLA
NOeLA, HS 43/6, NOe Regierung, Index ueber Hofresolutionen 1765-1767...
Copyrigth: NÖLA

« zurück

zum Seitenbeginn

© 2012 Institut für jüdische Geschichte Österreichs | English version | JPETo ™ CMS | Login »