Hebräische Fragmente und Handschriften

in österreichischen Bibliotheken

Fragment einer Esterrolle (Ester 5, 14 –8,2), Grundbuch der He...

Leitung: Dr. Martha Keil
MitarbeiterInnen:
Dr. Domagoj Akrap (Bibliothek des Jüdischen Museums Wien): Identifizierung
Dr. Christine Glaßner (ÖAW): Kodikologische Beschreibung
Dr. Alois Haidinger (ÖAW): Digitalisierung, Betreuung der Datenbank und Website
Mag. Almut Laufer (Jerusalem): Identifizierung

Dass hebräische Fragmente als Deckblätter und Einbandverstärkungen von christlichen Büchern dienten, zeugt von Verfolgung, Vertreibung und Beraubung der jüdischen Gemeinden des Mittelalters. Juden würden nämlich, dies ist ein Unterschied zu den christlichen Gepflogenheiten, ihre beschädigten religiösen Schriften beerdigen oder in einer „Genisa“, einem verborgenen Raum meist in einer Synagoge, ehrfurchtsvoll aufbewahren. Die Geschichte der hebräischen Fragmente ist also ein Teil der Existenz und Zerstörung der mittelalterlichen Gemeinden Österreichs und ihres Geisteslebens.
Ziel des Projekts ist die Erfassung, Digitalisierung, wissenschaftliche Beschreibung und Identifizierung sämtlicher hebräischen Fragmente an österreichischen Bibliotheken und Archiven. In Zusammenarbeit mit der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters der Österreichischen Akademie der Wissenschaften werden alle Informationen sukzessive auf einer Website der Kommission zugänglich gemacht.

Das Projekt wurde nach dem Tod seines Gründers Univ. Prof. DDr. Ferdinand Dexinger (Institut für Judaistik der Univ. Wien) im Jahr 2000 von Univ. Prof. Dr. Josef Oesch (Institut für Theologie der Univ. Innsbruck) übernommen. In Kooperation mit Dr. Christine Glaßner und Dr. Alois Haidinger von der ÖAW wurden inzwischen etwa tausend Fragmente aus österreichischen Universitäts- und Stiftsbibliotheken erfasst, beschrieben, digitalisiert und von Mag. Almut Laufer (Jerusalem) identifiziert und kommentiert.
Aufgrund seiner Pensionierung übergab Prof. Oesch im November 2008 das Projekt unserem Institut und der Leitung von Dr. Martha Keil. In den nächsten drei Jahren stehen die großen Bestände der ÖNB und weitere in Oberösterreich und Tirol zur Bearbeitung an. Die nächsten Vorhaben zur Erfassung und kodikologischen Bestimmung sind die Bestände der Klöster St. Florian und Kremsmünster. Zur Identifizierung vorgesehen sind die Fragmente aus der Bibliothek des Wiener Schottenklosters.

Im Dezember gründete sich in Zusammenarbeit mit dem Institute for Manuscripts an der National Library in Jerusalem die internationale Arbeitsgemeinschaft „Hebrew Fragments in European Libraries“, die aus insgesamt neun europäischen Ländern besteht (Leitung: Prof. Dr. Judith Olszowy-Schlanger, Ecole Pratique des Hautes Etudes, Paris). Das österreichische Projekt hat hier aufgrund seiner langjährigen Erfahrung und seiner öffentlichen Zugänglichkeit im Web eine Vorreiterrolle. Langfristiges Ziel aller Teilprojekte ist die Rekonstruktion von hebräischen Handschriften über die Grenzen und Länder hinweg. Christliche Buchbinder, welche mit Fragmenten als Recyclingmaterial handelten, sorgten nämlich für eine Verteilung der einzelnen Folii über ganz Europa. Die Vereinigung dieser Torarollen, Talmudtraktate, Kommentare und Gebete ist daher nur noch virtuell möglich.

Information: Martha Keil

Website des Projekts!

Publizierte Ergebnisse

Fragmenta Hebraica Austriaca. Akten der Session "Hebrew Manuscripts and
Fragments in Austrian Libraries" des International Meeting der Society
of Biblical Literature in Wien, am 26. Juli 2007. Hrsg. von Christine
Glassner und Josef M. Oesch (Österreichische Akademie der
Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse, Sitzungsberichte 783).
Wien 2009.

Das Buch ist hier zu bestellen!

Inhalt:
Einleitung (S. 5–8)
Verzeichnis der Abkürzungen und Siglen (S. 9)
Josef M. Oesch, Alois Haidinger: Genizat Austria. Zwischenbericht zum
Projekt „Hebräische Handschriften und Fragmente in österreichischen
Bibliotheken“ (S. 11–31)
Almut Laufer: Überlegungen zu Relevanz und Zielsetzung des Projekts
„Hebräische Handschriften und Fragmente in österreichischen
Bibliotheken“ aus judaistischer Sicht (S. 33–48)
Yoav Rosenthal: A New Fragment of Megillat Ta’anit (S. 49–59)
Franz D. Hubmann, Werner Urbanz: Beobachtungen und offene Fragen zu
einigen Besonderheiten der Torarollenfragmente (S. 61–88)
Register der zitierten Handschriften und Fragmente (S. 89–90)
Namenregister (S. 91–93)
Verzeichnis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (S. 95)

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