Vom Kahal zur Israelitischen Kultusgemeinde
Galizische Juden 1772 - 1790
Dieses Projekt erforscht den Übergang der galizischen Judengemeinden von der Kahal-Organisation in Polen-Litauen, welche mit übergreifenden politischen und fiskalischen Befugnissen ausgestattet war, zu den selbstständigen Israelitischen Kultusgemeinden in der Habsburgermonarchie.
Ausgangssituation ist die Rechtslage galizischer Judengemeinden vor 1772, welche auf den Privilegien polnischer Könige beruhte. Eine Übergangszeit bildete die Regierung Maria Theresias und ihre galizische Judenordnung von 1776. Besonders ausführlich soll die Reformzeit unter Joseph II. erforscht werden: Voraussetzung für alle weiteren Maßnahmen war die galizische Judenkonskription von 1782-83 und die Zuteilung „deutscher“ Namen, wodurch die jüdische Bevölkerung vom absolutistischen Staat erfasst wurde. Damit wurde ihre direkte Besteuerung ohne Vermittlung der Kahale möglich, und auch die Einberufung jüdischer Männer zum Militärdienst. Dem folgte die Aufhebung der innerjüdischen rabbinischen Gerichtsbarkeit und der autonomen Kahal-Organisation. Das galizische Toleranzpatent vom 7. Mai 1789 löste die Kahale durch sogenannte „Judengemeindevorstände“ ab. Jüdische Gemeinden galten nun ausschließlich als politisch den Ortsgemeinden untergeordnete „religiöse Innungen“. Die Josephinische galizische Judenordnung von 1789 untersagte schließlich jeden Zusammenschluss oberhalb der Ebene einzelner Gemeinden.
Die Juden Galiziens nahmen diese Veränderungen vor allem als Einschränkung ihrer Rechte und massive Einmischung des Staates in ihr Leben wahr. Ihr Gemeindewesen wurde weitgehend atomisiert. Die Folgen Josephinischer Reformen waren weitreichend: Sie beeinflussten kulturelle und religiöse Selbstidentifikationen, politische Partizipation sowie die gesamte soziale und wirtschaftliche Entwicklung galizischer Juden im 19. Jahrhundert.
Finanziert durch ein Lise Meitner-Stipendium des FWF!
Information: Dr. Svjatoslav Pacholkiv
