Entwurzelt? Erzwungene Emigration im Familiengedächtnis

„Ich hab’ Luftwurzeln und die hab’ ich jetzt hier eingepflanzt.“ Ev...

Inhalt der vorliegenden Studie ist die nationalsozialistische Verfolgungsgeschichte im Familiengedächtnis. Das Forschungsinteresse fokussiert sich darauf, wie die Erfahrungen von Flucht und Vertreibung der Eltern an die nachfolgenden Generationen tradiert wurden. Eingebettet in den historischen Kontext werden die verschiedenen Aspekte dieser transgenerationellen Weitergabe erforscht.
Zu diesem Zweck werden in Österreich lebensgeschichtliche bzw. problemzentrierte Interviews mit Nachkommen von Remigrantinnen und Remigranten geführt. Als Vergleichsgruppe werden Kinder, Enkel und Enkelinnen von österreichischen Emigrantinnen und Emigranten in Argentinien interviewt. Für dieses wichtigste Emigrationsland der österreichisch-jüdischen Vertriebenen in Südamerika stehen bereits Interviews mit der „ersten Generation“ aus einem Vorgängerprojekt zur Verfügung.

Ein Bremer Kaffee-Dampfer verläßt einen südamerikanische...

Die zeitgeschichtliche Forschung steht an einer Wende, in der die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die das nationalsozialistische Regime noch selbst erlebt haben, altersbedingt sterben, ihr „Erbe“ aber an die nächsten Generationen weitergegeben haben. Diese Weitergabe findet sich nicht nur in bewusst getätigten Aussagen, sondern vielmehr in Familienmythen und –legenden, Wünschen, Hoffnungen, Ängsten und freien Assoziationen, die in der Sprach- und Textanalyse sichtbar gemacht werden können. Deshalb ist von der Methodik eine interdisziplinäre, historische, selbstreflexive Herangehensweise gefordert.

Studien in Deutschland, den USA und Israel legen nahe, dass psychologische Folgewirkungen der Familiengeschichte zu erkennen sind und die Traumatisierung durch die Verfolgung sowie die Gefühle der Entwurzelung an die nächste Generation weitergegeben wurden. Für die Nachkommen der österreichischen NS-Vertriebenen im Generellen und für Argentinien im Speziellen fehlt diesbezüglich jegliche Studie, was angesichts der regen internationalen wissenschaftlichen Aktivitäten in diesem Feld verwundert. Das vorliegende Projekt will diese Forschungslücke schließen und bietet den Vorteil, dass bereits Kontakte zu Kindern, Enkel und Enkelinnen bestehen und erste Gespräche geführt wurden.

Informationen: Email an Dr. Philipp Mettauer

Wir danken dem Zukunftsfonds der Republik Österreich und der Wissenschaftsabteilung des Landes Niederösterreich für die Unterstützung dieses Projekts!

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