Niederösterreichische Städteforschung

Die jüdische Gemeinde Wiener Neustadt im Spätmittelalter

Wiener Neustadt beherbergte neben Wien und Krems eine der drei bedeutendsten jüdischen Gemeinden des mittelalterlichen Österreich. Nach der Vertreibung und Ermordung der Wiener Juden 1420/21 wurde sie zum Zentrum des österreichischen Judentums. Mit der Familie des Schalom von Neustadt und seines Verwandten Rabbi Isserlein bar Petachja wirkte dort eine Gelehrtendynastie, deren religiöse Kommentare und Rechtsentscheide bis heute rezipiert werden.
Nachdem Kaiser Friedrich III. (1439-1493) die Stadt zu seiner Residenz gewählt hatte, rückten die Juden in ein Naheverhältnis zu ihm, zogen dadurch aber den Neid mancher Christen auf sich. Doch der kaiserliche Schutz, getragen durch seine "allzeit getreuen" Bürger, war derart wirksam, daß es in der Stadt nie zu Verfolgungen kam. Auch die Vertreibung der Juden aus der Steiermark, zu dessen Territorium Wiener Neustadt gehörte, verlief unblutig und relativ gerecht. Die Juden konnten noch bis drei Jahre nach dem offiziellen Termin ihre Häuser und Liegenschaften an Wiener Neustädter Bürger verkaufen.
An die einstmals blühende Gemeinde erinnert nicht einmal mehr ein Straßenname. Sechs in die Stadtmauer eingelassene hebräische Grabsteine sind die einzigen Zeugen jüdischen Lebens im Mittelalter.

Informationen: Dr. Martha Keil

Publizierte Ergebnisse

Martha Keil: "vormals bey der Judenn Zeitt". Studien zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Wiener Neustadt im Spätmittelalter. Ungedr. phil. Diss. Wien 1998.

Dies., Juden in Grenzgemeinden: Wiener Neustadt und Ödenburg im Spätmittelalter. In: Martha Keil, Eleonore Lappin (Hrsg.), Studien zur Geschichte der Juden in Österreich, Bd. 2. Bodenheim/Mainz 1997, S. 9-34.

Dies., Der Liber Judeorum von Wr. Neustadt (1453-1500) - Edition. In: Martha Keil, Klaus Lohrmann (Hrsg.), Studien zur Geschichte der Juden in Österreich, Bd. 1. Wien-Köln 1994, S. 41-99.

Kehila Keduscha (Heilige Gemeinde) Neunkirchen (um 1850 bis heute)

Ausgehend von einer mikrohistorischen Analyse wird die Geschichte der kleinen jüdischen Gemeinde Neunkirchen von ihrer Gründung im 19. Jahrhundert bis zu ihrer Vernichtung im Jahr 1938 in einen zeitgeschichtlichen Gesamtzusammenhang gestellt. Das Schicksal dieser Gemeinde spiegelt sowohl die kaiserliche Politik gegenüber den Juden als auch den Antisemitismus des 19. und 20. Jahrhunderts wider. Der Holocaust war keine plötzliche, von außen hereingetragene Katastrophe. Wie die Studie zeigt, gingen ihm Entwicklungen voran, welche schon lange vor dem "Anschluß" eine Stimmung schufen, in der später die Vertreibung und Vernichtung der Neunkirchner Juden möglich wurde. Das Zusammenleben der Juden mit ihrer nichtjüdischen Umwelt stand von Anfang an im Spannungsfeld von Akzeptanz und Ablehnung.
Ein eigenes Kapitel ist den Lagern der ungarischen Juden gewidmet, die in Neunkirchen 1944-1945 Zwangsarbeiten beim Bau von Bunkern am Hauptplatz leisten mußten.
Breiten Raum nehmen Lebenserinnerungen von ehemaligen Neunkirchnern ein. Damit wird ein sehr persönliches Bild jüdischen Lebens an diesem Ort gezeichnet.

Informationen: Mag. Gerhard Milchram

Wir danken der Stadt Neunkirchen für die freundliche Unterstützung!

Publizierte Ergebnisse

Gerhard Milchram, Heilige Gemeinde Neunkirchen. Eine jüdische Heimatgeschichte. Verlag Mandelbaum, Wien 2000.

Ders., Die Entwicklung der Jüdischen Gemeinde in Neunkirchen/NÖ im 19. und 20. Jahrhundert. In: Martha Keil, Eleonore Lappin (Hrsg.), Studien zur Geschichte der Juden in Österreich, Bd 2. Bodenheim/Mainz 1997, S. 123-140.


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