Jüdische Presseforschung
Bis 1938 beschränkte sich die deutsch-jüdische Presseforschung, also die wissenschaftlich-kritische Befassung mit dieser Presse, auf Rezension sowie historische Darstellungen einzelner Periodika und pressebezogenen Biographien, die meist von JournalistInnen verfasst in den Zeitschriften selbst erschienen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Wert der jüdischen Presse als einer der wichtigsten Quellen der jüdischen Historiografie erkannt. Damit erfuhr die Presseforschung eine eindrucksvolle Erweiterung ihres thematischen Spektrums. Jüdische Periodika werden nun nicht nur pressgeschichtlich, sondern auch quellenkritisch untersucht. Sie dienen als Quellen bei der Erforschung der Herausbildung jüdischer Identität(en), Ideologien sowie religiöser, kultureller und politischer Strömungen. Die jüdische Presse reflektiert aber auch die Beziehungen zur Umwelt ebenso wie innerjüdische gesellschaftliche Entwicklungen. Jüngste Forschungen betrachten die Presse nicht mehr nur als Spiegel, sondern als Faktor bei der Gestaltung jüdischer Geschichte und Kultur.
Jüdische Presseforschung bedient sich heute einer Vielfalt historischer, literatur-, sprach- und kulturwissenschaftlicher Methoden. Einer wissenschaftlichen Analyse dieser Quelle muss jedoch häufig die mühsame Arbeit der Auffindung und Erschließung vorangehen. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die erstaunlich große Zahl an jüdischen Zeitungen, Zeitschriften, Jahrbüchern, Almanachen, Kalendern und anderen periodischen Publikationen und deren häufige Kurzlebigkeit dar. Wie bei der Erforschung jüdischer Geschichte im Allgemeinen ist auch bei der jüdischen Presseforschung die Vielsprachigkeit der Quellen eine Erschwernis, die nur mittels internationaler Forschungskooperationen und Konferenzen gemeistert werden kann.
Bearbeiterin: Dr. Eleonore Lappin-Eppel
Anfragen an: INJOEST
Deutsch-jüdische Periodika aus dem 18.-20. Jahrhundert im Volltext.
Kooperationen:
Deutsche Presseforschung, Universität Bremen
Arbeitskreis Czernowitzerpresse
The Koebner Minerva Center for German History, Hebrew University of Jerusalem
Publizierte Ergebnisse
Eleonore Lappin, Michael Nagel (Hg.), Deutsch-jüdische Presse und jüdische Geschichte: Dokumente, Darstellungen, Wechselbeziehungen / German-Jewish Press and Jewish History: Documents, Representations, Interrelations (Die jüdische Presse. Kommunikationsgeschichte im europäischen Raum hg. von Susanne Marten-Finnis und Michael Nagel, Bd. 6 und 7, zugleich Presse und Geschichte – Neue Beiträge hg. von Holger Böning, Michael Nagel und Johannes Weber, Bd. 37 und 38), Bremen 2008. Hier finden Sie genauere Informationen zum Buch!
Eleonore Lappin, Zwischen den Fronten: Das Wiener Jüdische Archiv. Mitteilungen des Komitees „Jüdisches Kriegsarchiv“ 1915-1918. In: ebd., S. 229-246.
Eleonore Lappin, Michael Nagel (Hg.), Frauen und Frauenbilder in der europäisch-jüdischen Presse von der Aufklärung bis 1945. (Die jüdische Presse. Kommunikationsgeschichte im europäischen Raum hg. von Susanne Marten-Finnis und Michael Nagel, Bd. 3, zugleich Presse und Geschichte - Neue Beiträge hg. von Holger Böning, Michael Nagel und Johannes Weber, Bd. 29), Bremen 2007.
Eleonore Lappin, Befreiung der Jugend - Befreiung der Frauen Siegfried Bernfeld und die Zeitschriften "Der Anfang" und "Jerubbaal". In: Ebenda, S. 141-160.
Dies., Fakten und Propaganda in der zionistischen Presse am Beispiel der Monatsschrift "Der Jude". In: Susanne Marten-Finnis und Markus Bauer (Hg.), Die jüdische Presse - Forschungsmethoden - Erfahrungen - Ergebnisse. (Die jüdische Presse. Kommunikationsgeschichte im europäischen Raum hg. von Susanne Marten-Finnis und Michael Nagel, Bd. 2 zugleich Presse und Geschichte - Neue Beiträge hg. von Holger Böning, Michael Nagel und Johannes Weber, Bd. 28), Bremen 2007, S. 159-178.
Dies., Von der Heimstätte zum Judenstaat: Die Darstellung des Aufbaus des jüdischen Palästina in der Wiener zionistischen Presse 1928-1938. In: Susanne Marten-Finnis, Markus Winkler (Hg.), Die jüdische Presse im europäischen Kontext 1686-1990. Bremen 2006 (= Die jüdische Presse - Kommunikationsgeschichte im europäischen Raum, Bd. 1; zugleich: Presse und Geschichte - Neue Beiträge, Bd. 21), S. 209-222.
Dies., Martin Buber: Zionismus und Chassidismus. In: Manfred Voigts (Hg.), Von Enoch bis Kafka. Festschrift für Karl E. Grötzinger, Wiesbaden 2002, S. 183-204.
Dies., The Position of Martin Buber's Monthly Der Jude within the Zionist Movement. In: World Union for Jewish Studies (ed.), Proceedings of the Twelfth World Congress of Jewish Studies, Division E, Contemporary Jewish Society, Jerusalem 2001, pp. 33-44.
Dies., Der Jude - Jewish Renaissance in Central Europe. In: Susanne Marten-Finnis, Matthias Uecker (Hg.), Berlin, Wien, Prag. Moderne, Minderheiten und Migration in der Zwischenkriegszeit / Modernity, Minorities and Migration in the Inter-War Period, Peter Lang, Bern, Berlin, Bruxelles, Frankfurt/Main, New York, Oxford, Wien 2001, S. 255-270.
Dies., Überlegungen zu jüdischer Erziehung in Martin Bubers Monatsschrift Der Jude, in: Menora - Jahrbuch für deutsch-jüdische Geschichte 12 (2001), S. 259-284.
Dies., Jüdische Moderne zwischen Partikularismus und Universalismus dargestellt anhand Martin Bubers Monatsschrift "Der Jude" (1916-1928), Tübingen 2000.
