Geschäftsleben und Frauenrechte

Die wirtschaftliche, rechtliche und sozio-religiöse Lage jüdischer und christlicher Frauen in Österreich, Kroatien und der Tschechischen Republik (13. bis 16. Jhdt)

Darmstädter Haggada, Oberrhein um 1430, Darmstadt, Hessische Lan...

Österreich, Kroatien und die Tschechische Republik waren in ihren unterschiedlichen geographischen Gegebenheiten im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit bedeutende Handelszentren. Sowohl in der jüdischen als auch in der christlichen Gesellschaft bot das Berufsfeld des Handels und der Geldleihe auch den Frauen die Möglichkeit zur geschäftlichen Betätigung. Sie verfügten über eigenes Vermögen, übernahmen bei Abwesenheit oder Tod des Ehemannes die Agenden und führten sie eigenständig oder im Konsortium weiter. Das Projekt soll untersuchen, unter welchen politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen Frauen in der Lage waren, als eigenständige Rechtspersönlichkeiten und als Berufstätige aktiv zu handeln und über die Grenzen ihrer Geschlechtszuschreibung hinaus Macht in ihrem Kollektiv auszuüben, sei es religiös (jüdische Gemeinde oder Kloster), wirtschaftlich (Familienunternehmen, Zunft), sozial (Bürgertum, Adel, jüdische Oberschichten) oder politisch (Stadt).

Weiteres Ziel ist die Erforschung von gleichzeitiger Inklusion und Exklusion: Welche Räume eröffnete die Geschäftstätigkeit von Frauen, welche verschloss sie ihnen? Mit welchen anderen Phänomenen standen diese Entwicklungen in Zusammenhang? Inwieweit waren religiöse Entwicklungen oder politische Ereignisse wie Kriege und Vertreibungen wirksam? Untersuchungszeitraum ist das 13. bis 16. Jahrhundert, in dem in allen drei Ländern zahlreiche und vielfältige, aber teilweise noch kaum ausgewertete christliche wie jüdische Quellen zur Verfügung stehen.
Diese Fragen untersuchen am Institut Martha Keil und Sabine Hödl gemeinsam mit Zdenka Janekovic-Römer (Universität Zagreb) und ihren Dissertantinnen Branka Grbavac und Valerija Turk sowie Marie Bunatova, Dissertantin an der Unversität Ostrava. Regelmäßige, für InteressentInnen offene Workshops werden Gelegenheit geben, die Quellen und Fragestellungen in breiterem Rahmen zu diskutieren. Neben den zwei Dissertationen ist ein Aufsatzband geplant.

Informationen: Dr. Martha Keil

Ein Projekt aus dem Programm Conex II, finanziert durch das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung

Publizierte Ergebnisse:

Martha Keil (Hrsg.), Besitz, Geschäft und Frauenrechte. Jüdische und christliche Frauen in Dalmatien und Prag 1300-1600. Kiel, Solivagus Verlag 2011

Dies., Besitz, Geschäft und Frauenrechte. Jüdische und christliche Frauen in Dalmatien und Prag 1300-1600. Zur Einführung. In: Martha Keil (Hg.), Besitz, Geschäft und Frauenrechte. Jüdische und christliche Frauen in Dalmatien und Prag 1300-1600. Solivagus Verlag, Kiel 2011, S. 9-22

Dies., Geschäftsleben und Frauenrechte: die wirtschaftliche, rechtliche und sozio-religiöse Lage jüdischer und christlicher Frauen in Österreich, Kroatien und der Tschechischen Republik (13. bis 16. Jhdt.). Ein Werkstattbe­richt. In: Eveline Brugger, Birgit Wiedl (Hrsg.), Ein Thema – zwei Perspektiven, Juden und Christen in Mittelalter und Frühneuzeit. Innsbruck, Wien, Bozen 2007), S. 307-317.

Dies., Women Bankers. In: Encyclopaedia Judaica Vol. 3, Art. Banking and Bankers, 2. Aufl. Jerusalem 2006, S. 115.

Dies., Female Family Members. In: Encyclopaedia Judaica, Vol. 10, Art. Isserlein, Israel ben Pethahiah. 2. Aufl. Jerusalem 2006, S. 769f.

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