Der Jüdische Friedhof Währing

als Quelle zur Sozialgeschichte der Juden Wiens 1784-1874

Grabstein

Als Ergebnis eines Forschungsprojekts des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur in den Jahren 1992-1998 wurde eine umfangreiche Datenbank erstellt. Sie enthält in 8.600 Einträgen Namen, Herkunftsort, Adresse, Beruf, Lebensdaten, Todesursache und Grabnummer von denjenigen Jüdinnen und Juden, die am Währinger Jüdischen Friedhof beerdigt sind. In einem Kooperationsprojekt mit der Bar Ilan Universität Tel Aviv werteten Shlomo Spitzer und sein Team die Grabsteininschriften aus.

Der Währinger jüdische Friedhof (Wien 18, Schrottenbachgasse) wurde im Zuge der Reformgesetzgebung Josefs II. angelegt, nachdem 1784 der alte jüdische Friedhof in der Seegasse geschlossen wurde. Aus hygienischen Gründen sollten Beerdigungen ab nun nur mehr außerhalb der Stadtmauern stattfinden. Bis 1874 diente dieser Friedhof für die Wiener jüdische Gemeinde als Gemeindefriedhof.
Mit der Gründung des Wiener Zentralfriedhofs, der als kommunale Einrichtung auch eine israelitische Abteilung enthält, wurde der Währinger Friedhof geschlossen. Er umfaßte ursprünglich an die 9500 Gräber, von denen heute noch 7000 erhalten sind. Unter der nationalsozialistischen Herrschaft wurde ein Teil des Friedhofs durch Anlage eines Löschteichs zerstört.
Der Währinger Friedhof gilt als Pendant zum christlichen Biedermeierfriedhof St. Marx (die ursprüngliche Begräbnisstätte Mozarts) und ist ein bedeutendes Denkmal der Wiener Stadtgeschichte. Die Grabsteine sind in architektonischer wie auch in historischer Hinsicht bemerkenswert.

Informationen: Dr. Martha Keil

Die auf dem Währinger Friedhof Beerdigten können auf der Online-Datenbank der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (Friedhofs-Datenbank) gesucht werden.

Wir danken dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur für die Unterstützung!

Publizierte Ergebnisse:

Umschlagbild Von Baronen und Branntweinern

Martha Keil (Hg.), Daniel Kaldori (Fotos)
Von Baronen und Branntweinern. Ein jüdischer Friedhof erzählt
Wien 2007, 112 Seiten, 20 x 27 cm, 24.90 Euro/38.00 Chf
ISBN 978385476-131-0.

Martha Keil: "... enterdigt aus dem Währinger Friedhof". Der jüdische Friedhof in Wien-Währing während des Nationalsozialismus. In: Studien zur Wiener Geschichte. Jahrbuch des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 61 (2005) S. 7-20.

Dies., Von Baronen und Branntweinern. Der Währinger jüdische Friedhof. In: Martha Keil, Elke Forisch, Ernst Scheiber, Denkmale - Jüdische Friedhöfe in Wien, Niederösterreich und Burgenland. Hrsg. von Club Niederösterreich, Institut f. Geschichte der Juden in Österreich, Wien 2006, S. 54-59. Der Beitrag ist online abrufbar. Dort finden Sie auch Informationen zu Führungen und Schulprojekten.

EDUCULT. Institut für die Vermittlung von Kunst und Wissenschaft bietet als neueste Publikation den Bildband "Währinger jüdischer Friedhof - Vom Vergessen überwachsen" an. Außerdem wurde für 2008 ein interkonfessioneller Fotokalender zum Währinger jüdischen Friedhof herausgegeben. Bestellungen sind unter office@educult.at möglich.

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