Die Kindertransporte zur Rettung jüdischer Kinder aus Österreich nach Skandinavien 1938-40

Das Dissertationsprojekt der aus Dänemark stammenden und in Wien lebenden Historikerin Merethe Jensen widmet sich dem beinahe vollkommen unerforschten Thema der Kindertransporte aus Österreich nach Skandinavien zwischen Sommer 1938 und März 1940.

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Bereits im April 1938 schickte der norwegische Rechtsanwalt Leo Hersson einen Vorschlag nach Wien, in welchem er einer kleinen Gruppe jüdischer Kinder aus Österreich einen zeitweiligen Aufenthalt in Norwegen anbot. Das Angebot wurde von der IKG Wien angenommen und so reisten im Juni 1938 20 Kinder nach Norwegen. Bis März 1940 folgten 310 jüdische Kinder und Jugendliche aus Österreich, die in Skandinavien der nationalsozialistischen Verfolgung – für einen kürzeren oder längeren Zeitraum – entkamen. 24 Kinder kamen nach Norwegen, 80 Jugendliche nach Dänemark und über 230 nach Schweden.

Grundsätzlich war der Aufenthalt der jüdischen Kinder und Jugendlichen in Skandinavien nur als Übergangslösung gedacht, bis deren Eltern eine neue Existenz in einem dritten Land aufbauen und wieder für die Kinder hätten sorgen können. Im Fall der Jugendalijah-Teilnehmer wurde mit einer baldigen Weiteremigration nach Palästina gerechnet. Die dänischen, norwegischen und schwedischen Entscheidungsträger befürchteten jedoch, dass es nicht möglich sein würde die unbegleiteten Flüchtlingskinder „wieder loszuwerden“, weil den leibliche Eltern die Flucht nicht gelang oder aber die Pflegeeltern zu sehr am Kind hingen. Aufgrund des politischen Widerwillens zu helfen, wurde die Rettung jüdischer Kinder von Hilfsorganisationen durchgeführt, die für sie bürgten und für ihren Lebensunterhalt sorgen mussten, damit sie den skandinavischen Staaten nicht zur Last fielen. Neben den jüdischen Gemeinden und der Jugendalijah waren dies die Schwedische Israelmission, die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit sowie die Nansen-Hilfe.

Unter Anwendung der kollektiven biografischen Methode werden Informationen zum Leben der österreichisch-jüdischen Kinder und Jugendlichen vor März 1938, zu den Erlebnissen während der nationalsozialistischen Verfolgungen, zu ihrer Reise nach Skandinavien und zu ihrem weiteren Leben bis 1945 erfasst. Zum einen werden mittels quantitativer Analyse Daten über diese Kinder und Jugendlichen gesammelt. Diese stammen u. a. aus Fragebögen und Transportlisten der IKG Wien, der Jugendalijah Wien, der Frauenliga für Frieden und Freiheit, aus Karteikarten der jüdischen Gemeinde in Schweden sowie aus der umfangreich vorhandenen Korrespondenz innerhalb der Hilfsorganisationen bzw. mit den Kindern und Jugendlichen sowie mit den Pflegeeltern bzw. den Heimen, in denen sie untergebracht waren.

Zum anderen wird die Geschichte der Kinder und Jugendlichen in den historischen bzw. gesellschaftlichen Kontext gestellt. Dies ist notwendig, um eine qualitative Analyse von  Ego-Dokumenten (publizierte und nicht-publizierte Briefe, Tagebücher, Erinnerungsberichte, Oral History-Interviews) durchführen zu können. In diesem Zusammenhang ist auch die Analyse des Erinnerungs­prozesses und die Frage bedeutsam, wie sich die im Vergleich mit sicheren Fluchtländern noch einmal erlebten Brüche – sofern sie diese überlebten – auf die Lebensläufe der Kinder auswirkten.
Schlussendlich sollen auch Gemeinsamkeiten mit ähnlichen Ereignissen – Stichwort: Kindertransporte nach England – als auch die Besonderheiten der Rettungsaktionen nach Skandinavien herausgearbeitet werden.

Bearbeiterin: |mail: Merethe Jensen, M.A.|

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Hans Reiss mit der Tochter seiner Pflegeeltern Rachel Feinberg. © Injoest

Die Niederösterreichische Regierung und die Juden in Wien (1740–1792)

Handlungsspielräume und Strategien zwischen Norm und Verwaltungspraxis

Das Dissertationsprojekt untersucht die rechtliche Stellung von Juden und Jüdinnen in Wien mit besonderem Schwerpunkt auf die Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen in der Zeit von Maria Theresia bis zum Regierungsantritt von Franz II. (I).

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Im Mittelpunkt steht dabei die Tätigkeit der Niederösterreichischen Regierung, die als zuständige landesfürstliche Behörde auch mit den Agenden der Judenpolitik befasst war. Für die Juden in Wien war sie demnach die erste Instanz, an die Ansuchen zu richten waren.

Quellengrundlage sind die im NÖLA vorhandenen Geschäftsbücher und Akten der NÖ Regierung, die erst ab 1740 in nennenswertem Umfang erhalten und kaum ediert sind. Diese Akten erlauben nicht nur eine Darstellung der Verfahrensweise und -dauer in „Judensachen", sondern mithilfe der enthaltenen Ansuchen der Parteien, Gutachten der Beamten und „allerhöchsten Entschließungen“ auch die Analyse der Handlungsspielräume, der Argumentationsmuster und der Entscheidungsfindung. Diesbezüglich sind die Beantwortungen von Ansuchen armer oder verarmten Juden um Zahlungsaufschub, Steuerminderung oder Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung besonders aussagekräftig.

Im ersten Teil der Arbeit stehen die obrigkeitlichen Judenverordnungen im Vordergrund, die zum Teil aus politisch-fiskalischen Notwendigkeiten und mentalen Grundhaltungen der Zeit heraus erlassen wurden (z.B. Kriegsfinanzierung, Wirtschaftsförderung, Utilitarismus und Aufklärung; Judenfeindlichkeit). Der zweite Teil bietet eine Analyse der involvierten Personengruppen, also der Beamten und der jüdischen Antragsteller/innen.

Untersucht werden ferner die Auswirkungen der Judenpolitik, die eine soziale Spaltung der Wiener Juden in Tolerierte und Nicht-Tolerierte in prekären Verhältnissen schuf. Geprüft wird weiters, wie jüdische Frauen, die aktiv bei der NÖ Regierung vorstellig wurden, für ihre Anliegen eintraten, und ob Unterschiede zu männlichen Antragstellern in der Argumentation ihrer Ansuchen oder bei den getroffenen Entscheidungen feststellbar sind.

Sachbearbeiterin: |mail: Mag. Elisabeth Loinig| (NÖLA)
Betreuerin: |mail: PD Dr. Martha Keil|

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NOeLA, Hofresolutionen, 1762, Fasz. Dezember, Nr. 26 (K. 87) Bericht des Staedtischen Kommissaers Augustin Joseph Weyrauch an die NOe Regierung ueber das Aufenthaltsrecht der Familie Wertheimer